
Zeit zum Fortfahren
...ist deine Zeit zum Fortfahren dann gekommen,
wenn ich fähig bin, die Welt zu verstehen,
so wie sie im Moment ist?
...dann, wenn ich mich verantwortlich fühle,
für alle Illusionen, die ich mir mache,
auch für die, die meinen Unternehmungsgeist in Frage stellen?
...dann, wenn ich vielleicht mich selbst
und alles mehr lieben lerne?
...dann, wenn ich in mir aufräume,
Platz mache
für eine lebenserneuernde Idee?
...dann, wenn ich bereit bin
mir selbst und meinen Daheinmgeblieben,
für das, was geschieht,
ohne WENN und ABER zu verzeihen?
...dann, wenn ich fern
vom Richtig -Falsch System
losgelöst das JA erlebe?
JA dann, denke ich,
wird es Zeit, fortzufahren.
Brigitte Kleine ©

„Herein spaziert, ihr Risiken und Nebenwirkungen
der Weltradreise“,
ruft sie mit Freuden.
„Kommet nur her, die ihr mir das Leben versüßen,
versauern, verändern wollt;
wie werd ich euch empfangen... “, ruft Omi,
und weiß es hundertprozentig:
Stände sie noch mal vor dem Entschluss „Fahrradweltreise“
JA oder NEIN......?
Ach, diese Frage würde sich ihr überhaupt nicht stellen, meint sie.
„Kinder, Kinder!“ „Abenteuer existiert vom voraussichtsgerichteten und
wagnisdurchdrungen Aufbruch“, sagt sie, als wir noch mal am Ärmel zupften,
- noch einmal leise nachfragten.
Drei Jahre hat sie nun „vorausgesichtet“, geplant, trainiert und, und und...
Hastenichtgesehen.
„Das reicht!“, sagt sie.
Wow; nun soll es endlich losgehen.
Standhaft zum leiblichen und emotionalen Risiko schaut unsere Omi in die Zukunft.
Damit besitzt sie eine Begabung, die ihr anscheinend schon mit in die Wiege gelegt
wurde.
Sie kann sich nämlich losbinden. Von dem was gestern war; und auf diese Art und Weise
ihr SELBST erweitern, erzählte sie uns. Was sie damit meint, haben wir natürlich nicht
verstanden. Doch eins haben wir kapiert:
Nach wie vor; sie will mit dem Fahrrad um den Globus und nicht nur
„im Hühnerstall Motorrad fahren.
Rad-Art, Fernweh aber auch Improvisation werden die halbe, Träume und
Vorstellungen von fernen Welten, ihre ganze Antriebskraft bedeuten.
Den Blauen Planeten mit den Augen einer Seniorenabenteurerin zu betrachten,
bedeutet für Omi viel. Ihre Beobachtungen über die Welt zu hinterfragen, mehr.
Es wird ihr Erlebnis gut hin.
Und wir Enkel erleben es mit. Ganz bestimmt wird diese Senioren-Bike-Tour Omis
bisheriges Leben total verändern. Aber sie wird sie auch erneuern.
Mit jedem geradeltem Reisemonat wird ihr sozusagen eine Frischzellen-Kur verpasst,
zur innerlichen Verjüngung, meint sie.
Aber wir denken, bevor sie zu Pampeers und Schnulla greift, bekommt ihr Rad
zweifellos Flügel. Dort wo heute noch ihr Sattel und Lenker das Rad zusammenhält,
schaukelt in später Zukunft eine Hängematte. Wenn Omi an der Klingel rappelt,
kommen die „10 kleinen Kinderlein“ und verwöhnen sie von allen Seiten.
Etliche Märchen haben wir von Omi vorgelesen bekommen. Viele begannen mit:
„Es war einmal“ und Omis Lebensgeschichte endet vielleicht einmal mit den Worten:
...und wenn sie nicht vom Rad gefallen ist, dann...
Ja was ist eigentlich dann?
Müssen wir darüber heute und hier diskutieren?
Ganz bestimmt nicht!
„Geschieht nicht was ich will, geschieht, was besser ist“, sagt Omi aus dem Bauch heraus.
Sie gibt ihrem zwangsvollstrecktem Körper freiwillig keine Chance zum Rahmenbruch!
Sie startet und nimmt sich das Recht ihrem Alter nur Gutes abzugewinnen.
Ach, was ist sie den typisch deutschen grauen Flimmerhimmel leid. Sie will nicht mehr
ohne blauen Himmel leben. Dafür gibt sie hier viel auf und verläst über Jahre,
das Einzigste, was sie wirklich liebt. Ihre Familie, uns Enkel.
Leicht fällt es ihr ganz bestimmt nicht.
Wir sind es, wovon sie sich am schwersten trennt. Uns nicht heranwachsen zu sehen,
dass ist für eine Omama, die uns soooo sehr lieb hat, wie die unsere,
wirklich ein hartes Brot. Aber auch für uns.
Das müssen wir hier, an dieser Stelle, einmal laut herausbrüllen!
Doch unsere Großmutter bekommt für dieses schmerzliche Opfer einmal im Leben
was zu sehen, wovon wir Daheimgebliebenen vorläufig nur träumen.
Trotzdem sagt sie, sie sei sehr glücklich. Und das fühlen wir.
Auch wenn so ein Abschied nicht ganz OHNE ist. Freiwillig setzt Omi sich Gefahren
aus und ob sie je lebend wieder heim kommt? Darüber denken wir besser jetzt nicht nach. Denn mit ihrem großmütterlichem Projekt, erfüllt sie sich ihren lebenslang erträumten
Reise Wunsch.
Die Welt in Wirklichkeit sehen, so wie sie heute ist, hautnah erleben,
wovon sie früher nur in Büchern las, ist für Omi das Größte.
Omi ist bereit, bewusst alt zu werden.
Sie hat sich von dem Gedanken 20 Jahre 40 bleiben zu wollen, verabschiedet.
Yesterday Goodbye!

Wir Enkel und unsere gesamte Familie sind stolz auf sie.
Gute Reise!
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