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Die Einladung
von ORIAH MOUNTAIN DREAMER

Es interessiert mich nicht, womit du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du die Erfüllung deines Herzenswunsches zu träumen wagst.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, dich zum Narren zu machen, auf deiner Suche, nach Liebe, nach deinem Traum, nach dem Abenteuer des Lebens.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten ein Quadrat zu deinem Mond bilden.
Ich will wissen, ob du deinem Leid auf den Grund gegangen bist und ob dich die Ungerechtigkeiten des Lebens geöffnet haben, oder du dich klein machst und verschließt, um dich vor Verletzungen zu schützen. Ich will wissen ob du Schmerz - meinen oder deinen eigenen - ertragen kannst, ohne ihn zu verstecken, zu bemänteln oder zu lindern. Ich will wissen, ob du Freude - meine oder deine eigene - aushalten, dich hemmungslos dem Tanz hingeben und jede Faser deines Körpers in Ekstase erleben lassen kannst, ohne an Vorsicht und Vernunft zu appellieren oder an die Begrenztheit des Menschen zu denken

Es interessiert mich nicht, ob das, was du mir erzählst wahr ist.
Ich will wissen, ob du andere enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben: ob du Vorwurf des Verrats ertragen kannst, um deine eigene Seele nicht zu verraten; ob du treulos sein kannst, um vertrauenswürdig zu bleiben.
Ich will wissen, ob du die Schönheit des Alltäglichen erkennen kannst, selbst wenn sie nicht immer angenehm ist und ob ihre Allgegenwärtigkeit die Quelle ist, aus der du die Kraft zum Leben schöpfst.
Ich will wissen, ob du mit Unzugänglichkeit leben kannst - meiner und deiner eigenen - und immer noch am Seeufer stehst und der silbrigen Scheibe des Vollmonds ein uneingeschränktes >>Ja!<< zurufst.

Es interessiert mich nicht, wo du wohnst oder wie reich du bist.
Ich will wissen, ob du nach einer kummervoll durchwachten Nacht zermürbt und müde bis auf die Knochen aufstehen kannst, um das Notwendige zu tun, damit deine Kinder versorgt sind.

Es interessiert mich nicht, wen du kennst oder wie du hierher gekommen bist.
Ich will wissen, ob du inmitten des Feuers bei mir ausharren wirst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, wo oder was du mit wem du studiert hast. Ich will wissen, was dich von innen heraus trägt, wenn alles andere wegbricht.
Ich will wissen, ob du mit dir selbst allein sein kannst und ob du den, der dir in solch einsamen Momenten deines Lebens Gesellschaft leistet, wirklich magst.

© Oriah Mountain Dreamer, from the book "The Invitation", published by Harper San Francisco, 1999

Dieses wunderschöne Gedicht von Oriah Mountain Dreamer, möchte ich als Einladung dieser Seite nutzen, um all meinen Lesern eine Botschaft in die Zeilen zu legen, die den Sinn und Charakter meiner Weltradreise verdeutlichen.
Hier spricht Omi:
Wer da glaubt, ich würde mit dieser Seite meine Reise-Endabsicht festschreiben, den werde ich wohl enttäuschen müssen.
Das wäre mir zu einfach und zu begrenzt.
Viel mehr liegt es mir daran, mein Vorhaben farblich zu hinterlegen, durch Einbeziehung innerer religiöser Werte, bezüglich meiner Fahrradtour. Ich möchte ein ethisches Fundament für vier tragende Säulen formen, die meinen Welt-Tour-Sinn sichern.

Diese Säulen heißen: Einfachheit - Achtung - Gemeinsinn - Fröhlichkeit

Auf eine etwas andere Art unterwegs zu sein, heißt aber von fremden Völkern lernen, ihre Werte, Kulturen und Religion anzuerkennen. Es bedeutet aber auch die Fähigkeit, gegenseitiger Fürsorge und ein unbeirrtes Mitgefühl zu entwickeln, um den Kreis derer, denen dieses, und das Wohlergehen aller Menschen auf der ganzen Welt, am Herzen liegt, mit meinem Mitmachen zu vergrößern. Als UNIVERSALRELIGIÖSER Mensch möchte ich ein gelegentliches "Falschverstandenes Gutmenschentum" grundsätzlich in ein Fragezeichen stellen, denn mein religiöses Anspruchdenken auf das abendländische Christentum, in welches ich ohne Eigenentscheid hineingeboren wurde, hat sich bei mir gerade in den letzten Jahren, während ich mich als Gasthörer der Uni Bielefeld, (Studieren ab 50) mit dem Islam und den Indischen Religionen beschäftigte, grundlegend verändert. Der "christlichen Kindheit" entwachsen, vertrete ich heute den Standpunkt, dass ich mir keinen alleinigen Rechtsanspruch auf das so genannte "Ewige" und "Konfessionelle" anmaßen darf. Die in der ganzen Welt unterschiedlichen Wortbezeichnungen für Gott, verstehe ich nur als einen gleichwertig anwendbaren Weg zum Zentrum der inneren kommunikativen Tiefe mit Gott. Unser "Kosmos der Religiosität" gehört allen Menschen gleich.
Eine ganz ureigene und individuelle Darstellung, vergleichbar mit einem Rad und seinen Speichen, dient mir zur Interpretation:
Die Speichen sind die Religionen - nach außen hin entfernen sie sich immer mehr voneinander. Gegen die Radnarbe hin, nähern sie sich alle. Ganz in der Mitte eines jeden Rades gibt es einen geradezu "heiligen Punkt", der so genannte Stillstand. Das klingt völlig kontradiktorisch, doch ich denke, es gibt ihn. In diesem Endzweck ist alles äußerlich Auseinanderstrebende eins. Hier sind alle Speichen (Religionen) eins, ohne, dass die Funktion nach außen dadurch aufgehoben oder verwischt würde. Hier befindet sich, bezüglich meines Glaubens, die transzendente kommunikative Krone. Dieses sympathische Unterpfadmuster hilft mir den Schatten meiner eigenen Gläubigkeit "in den Sprung" zu stellen. "Die gemeinsame Sprache zwischen den Religionen". Sie ist der Pass, der von Religion zu Religion führt und trägt den Namen Liebe. Und Liebe ist die Sprache des Herzens, die jeder versteht.

Dem geistigen Kinderzimmer entwachsen, in Achtung und Freundlichkeit zum Nächsten, im Einklang mit unserem Weltgebäude der Natur, und unter dem immer fortwährenden Schutz unseres Weltenlenkers, der auch mein Rad bahnt, werde ich starten, mich lenken lassen und unterwegs sein. Deswegen wird meine Tour, neben den allgemeinen Abenteuern auch zu einer Religionsreise.

Brigitte Kleine  
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