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Ein Strahl Poetensonne streifte mich, so reich, dass mir
diese Zeilen geradewegs in den Lenkerkorb fielen:  
 
 
Vom Lenker aus gesehen

Blind musst du sein, um alles zu verstehen,
was so ein Radweg dir erzählet, still.
Bist du im großen Tellerdrehen
doch nur die Speiche, die gedreht sein will.
Drum lächel´ tief, bis den Grund der Quellen,
und denk an jenen Sprung, der sie belebt.
Und deine Sehnsucht fließt mit ihren Wellen,
wie diese Zeile, die sich aus der Linie hebt.

Und wie aus Himmelsklängen,
den Fels im Herz zu sprengen,
ertönt liturgischer Gesang.
Lau-da-te om-nes gen-tes,
ein Dominum, Latentes,
ein Interwall, dein Müßiggang.

Geh wieder radeln, und du wirst sie spüren,
die Lebensfreude, sie, die in dir steckt.
Weil sieben Sinne dich verführen,
durch deine Träume, bis das Licht dich weckt.
Am Himmel ziehen Vögel ihre Kreise,
schließe die Augen, sei für zwei Minuten blind!
Du spürst den Luftzug, wundersamerweise,
den Flügelschlag und hörst den Wind.

Und wie aus Himmelsklängen,
den Fels im Herz zu sprengen,
ertönt liturgischer Gesang.
Lau-da-te om-nes gen-tes,
ein Dominum, Latentes, ein Interwall, dein Müßiggang.
Du radelst dir die Landschaft hier poetisch
und hältst dir deine Augen balkenfrei.
Der Farn am Waldrand fächert majestätisch,
dir winken Hopfen, Mädesüß und Akelei.
Und alle Blumen öffnen ihre Blüten,
überm Lenker baumeln die Gedanken.
Und aus den Höhen nebeln sich die Mythen,
die dir den ganzen Tag umranken.

Und wie aus Himmelsklängen,
den Fels im Herz zu sprengen,
ertönt liturgischer Gesang.
Lau-da-te om-nes gen-tes,
ein Dominum, Latentes,
ein Interwall, dein Müßiggang.

Du wirst dem Glücke nie das Wasser reichen,
wenn du nicht fühlst, den Unterschied.
Dein Rad wird sich zum Fragezeichen biegen,
wenn du sehend überhaupt nichts siehst.
Zum Wir-Gefühl erwachsen; heißt zusammen
das Ziel erwirken, mehr als ich vermag.
Um sieben Sinneslichter aufzuflammen,
benötigst du nur einen Radfahrtag.

Um dann aus Himmelsklängen,
den Fels im Herz zu sprengen,
singst du liturgisch, lebenslang.
Lau-da-te om-nes gen-tes,
ein Dominum, Latentes Echo,
deinen Lobgesang...

Brigitte Kleine
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